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Sebastian Molter ist Asylpfarrer in Stuttgart. Seit Anfang 2025 berät er für die Evangelische Landeskirche in Württemberg Menschen mit Fluchterfahrungen. Viele von ihnen kommen zu ihm, zitternd, verängstigt, mit der Polizei im Rücken und der Frage: „Haben wir hier überhaupt noch eine Chance?“
„Man merkt einen großen psychischen Druck“, sagt Sebastian Molter. Er bietet keine schnellen Lösungen, aber er hört zu. Und das ist in der aktuellen Stimmung schon mutig. Denn das Kirchenasyl, einst Symbol gelebter Nächstenliebe, steht zunehmend unter Beschuss.
Kirchen nehmen Menschen auf, die akut von Abschiebung bedroht sind – oft in ein anderes EU-Land. Sie schützen sie aus humanitären Gründen, bis geprüft ist, ob ein Bleiberecht besteht. Offiziell ist das kein Aufenthaltsstatus, aber ein Akt des Gewissens.
Doch rechte Medien behaupten inzwischen, Kirchen gewährten „jedem“ Kirchenasyl und unterliefen das Asylsystem. Sebastian Molter widerspricht klar: Das stimmt nicht. Es handelt sich um Einzelfälle, geprüft und verantwortet. Trotzdem wächst die Angst in den Kirchengemeinden.
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